Freiburg,
Ostern 2016 Brief an unsere Familie
Im
August 1992 haben wir Erika zum 70. Geburtstag eine Reise ins Heilige
Land geschenkt. Mit Elisabeth, Michael und Maria konnten wir die
Heiligen Stätten in Bethlehem, Jerusalem, See Genezareth und
Nazareth besuchen. Wir waren damals im Ecce Homo Hospiz untergebracht
mit Blick auf den Tempelberg und in einem Kibutz am See. Wir erinnern
uns an einen israelisch-arabischen Taxifahrer, die Kleinen Schwestern
an der via Dolorosa und den Bruder einer Kleinen Schwester von San
Marcos. Vor allem hat uns nachhaltig beeindruckt die Beziehung des
heutigen Landes zu Jesus und seiner Welt.
Ein
ganz anderer Charakter hatte unser jetziger Besuch. Michael und
Ingrid, ein befreundetes Ehepaar, haben so engagiert von ihren
Freunden in Palästina berichtet, dass wir uns spontan entschlossen
haben, mit ihnen dorthin zu fahren. Wir erfuhren zunächst drei Tage
bei einer Israelisch-Palästinensischen Familie nördlich von Tel
Aviv die einzigartige Gastfreundschaft, wie wir sie kaum noch kennen.
Ein Sohn der Familie lebt in Freiburg und war den Gugels bekannt.
Dann
waren wir kurz bei einem melkitischen Popen und seiner Familie in
Galiläa, dann in Aizarija (Bethanien) bei Diet und Marilene, die
seit Jahrzehnten hier palästinensische Familien betreuen, von dort
aus bei Daud Nasar (auf dem Bild mit US-Rabiner) und seinem
großartigen Friedensprojekt „Tent of Nations“
und
zuletzt in Neve Shalom, wo uns die christliche Palästinenserin
dieses großartige Zusammenleben von Palästinensern und Israelis in
einem Friedensdorf erlebbar gemacht hat. Dort waren wir auch zwei
Nächte zum Schluss in ihrem sehr komfortablen Hotel.
Eine
junge deutschsprechende Mitarbeiterin bei EAPPI, dem Friedensdienst,
bei dem Bettina über Weihnachten drei Monat war, hat uns angeboten,
in Hebron zu führen. Dies wurde allerdings unmöglich wegen der
augenblicklich sehr angespannten Situation. Drei Männer waren gerade
erschossen worden und der Tag der Beerdigung war nicht geeignet
dorthin zu fahren.
Statt
eines ausführlichen Berichtes möchten wir Euch zwei wichtige
Botschaften weitersagen, die uns aufgetragen wurden:
Die
erste: Redet bitte nicht von einem Religionskrieg Christen, Moslems
und Juden gegeneinander. Die Christen sind in ganz Israel und
Palästina zu einer verschwindenden Minderheit von 2% geschrumpft,
wie uns die Kleine Schwester Jesu in Jerusalem mitgegeben hat. Die
Deutschen dürfen nicht, insistierte Reuven Moskowitz, weiter
schweigend hinnehmen, dass die Palästinenser von der Besatzungsmacht
Israel unterdrückt, gemordet, mit immer neuen Schikanen von ihrem
angestammten Land vertrieben werden. Die Messerattacken dieses Jahr
von palästinensischen Männern gegen israelische Soldaten sind eine
Art Selbstmord-versuche von Menschen, die keinen Ausweg mehr sehen.
Der
Regenbogen über der Wüste Juda und über dem Israelischen
Überwachungsposten auf dem Berg soll ein Zeichen sein für die
vielen Menschen guten Willens in diesem Land auf beiden Seiten. Sie
weigern sich Feinde zu sein. Es gibt keinen Frieden ohne
Gerechtigkeit. Aber es gibt das Aushalten und es gibt den Glauben an
ein mögliches Zusammenleben unterschiedlichster Menschen.
Zum Schluss noch
ein paar Bilder unserer Reise ohne Kommentar
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