Samstag, 26. März 2016

Anne und Rudi in Palästina

Freiburg, Ostern 2016 Brief an unsere Familie

Im August 1992 haben wir Erika zum 70. Geburtstag eine Reise ins Heilige Land geschenkt. Mit Elisabeth, Michael und Maria konnten wir die Heiligen Stätten in Bethlehem, Jerusalem, See Genezareth und Nazareth besuchen. Wir waren damals im Ecce Homo Hospiz untergebracht mit Blick auf den Tempelberg und in einem Kibutz am See. Wir erinnern uns an einen israelisch-arabischen Taxifahrer, die Kleinen Schwestern an der via Dolorosa und den Bruder einer Kleinen Schwester von San Marcos. Vor allem hat uns nachhaltig beeindruckt die Beziehung des heutigen Landes zu Jesus und seiner Welt.

Ein ganz anderer Charakter hatte unser jetziger Besuch. Michael und Ingrid, ein befreundetes Ehepaar, haben so engagiert von ihren Freunden in Palästina berichtet, dass wir uns spontan entschlossen haben, mit ihnen dorthin zu fahren. Wir erfuhren zunächst drei Tage bei einer Israelisch-Palästinensischen Familie nördlich von Tel Aviv die einzigartige Gastfreundschaft, wie wir sie kaum noch kennen. Ein Sohn der Familie lebt in Freiburg und war den Gugels bekannt.
 

Dann waren wir kurz bei einem melkitischen Popen und seiner Familie in Galiläa, dann in Aizarija (Bethanien) bei Diet und Marilene, die seit Jahrzehnten hier palästinensische Familien betreuen, von dort aus bei Daud Nasar (auf dem Bild mit US-Rabiner) und seinem großartigen Friedensprojekt „Tent of Nations“ 
 

und zuletzt in Neve Shalom, wo uns die christliche Palästinenserin dieses großartige Zusammenleben von Palästinensern und Israelis in einem Friedensdorf erlebbar gemacht hat. Dort waren wir auch zwei Nächte zum Schluss in ihrem sehr komfortablen Hotel.
 

Eine junge deutschsprechende Mitarbeiterin bei EAPPI, dem Friedensdienst, bei dem Bettina über Weihnachten drei Monat war, hat uns angeboten, in Hebron zu führen. Dies wurde allerdings unmöglich wegen der augenblicklich sehr angespannten Situation. Drei Männer waren gerade erschossen worden und der Tag der Beerdigung war nicht geeignet dorthin zu fahren.

Statt eines ausführlichen Berichtes möchten wir Euch zwei wichtige Botschaften weitersagen, die uns aufgetragen wurden:



Die erste: Redet bitte nicht von einem Religionskrieg Christen, Moslems und Juden gegeneinander. Die Christen sind in ganz Israel und Palästina zu einer verschwindenden Minderheit von 2% geschrumpft, wie uns die Kleine Schwester Jesu in Jerusalem mitgegeben hat. Die Deutschen dürfen nicht, insistierte Reuven Moskowitz, weiter schweigend hinnehmen, dass die Palästinenser von der Besatzungsmacht Israel unterdrückt, gemordet, mit immer neuen Schikanen von ihrem angestammten Land vertrieben werden. Die Messerattacken dieses Jahr von palästinensischen Männern gegen israelische Soldaten sind eine Art Selbstmord-versuche von Menschen, die keinen Ausweg mehr sehen.



Der Regenbogen über der Wüste Juda und über dem Israelischen Überwachungsposten auf dem Berg soll ein Zeichen sein für die vielen Menschen guten Willens in diesem Land auf beiden Seiten. Sie weigern sich Feinde zu sein. Es gibt keinen Frieden ohne Gerechtigkeit. Aber es gibt das Aushalten und es gibt den Glauben an ein mögliches Zusammenleben unterschiedlichster Menschen.

Zum Schluss noch ein paar Bilder unserer Reise ohne Kommentar